API BEW

Mensch und Tier - ein Projekt der API gGmbH

Förderung und Erhalt der Gesundheit im Zusammenleben von Mensch und Tier

Die API gGmbH hat im Bezirk Tempelhof-Schöneberg eine Tierarztpraxis eingerichtet. Sie dient einer Basisversorgung der Haustiere von mittellosen bzw. einkommensschwachen und seelisch beeinträchtigten / behinderten Menschen in diesem Bezirk.
Der Personenkreis, an den sich das Angebot richtet, ist klar umgrenzt und unterliegt bestimmten Voraussetzungen.
Für eine Behandlung unbedingt erforderlich sind:

  • Nachweis (gültige Kostenübernahme) über Eingliederungshilfe,
  • aktueller Einkommensnachweis
Hier reicht auch eine Bescheinigung des betreuenden Trägers über diese beiden Voraussetzungen und Ihr
  • Personalausweis

Projekt MuT

  • ist keine öffentlich zugängliche Tierarztpraxis,
  • offene Sprechstunden werden nicht durchgeführt.
  • Für eine Behandlung / Beratung vereinbaren Sie bitte einen Termin.
Ansprechpartnerin:

Menja Zarrath
praktische Tierärztin

Kontakt:

Festnetz: 850733-46
Fax: 850733-47
Mobil: 01577 - 3454977

Flyer: Der aktuelle MuT-Flyer als PDF zum herunterladen.

Ziele und Aufgaben des Projekts:

Förderung und Erhalt der Gesundheit im Zusammenleben von Mensch und Tier

Nutzung der Ressource "Tier" für die seelische Gesundheit

Beratung bzgl. der Anzahl der gehaltenen Tiere in einem Haushalt einschließlich "Geburtenkontrolle"

Förderung des Verantwortungsbewusstseins der TierhalterInnen gegenüber dem Tier und sich selbst

Motivation zur höheren Eigenverantwortlichkeit bzgl. der sozialen und persönlichen Belange

Beratung hinsichtlich Haltungsbedingungen, Erziehung, Gesundheitsvorsorge und Kosten

Behandlung von zu therapeutischen Zwecken gehaltenen Tieren

Förderung gegenseitiger Hilfe und Netzwerkarbeit bei Versorgungsengpässen

Beispiele:

Frau B., die chronisch an einer massiven Angststörung und wiederkehrenden Psychosen leidet, hat einen Hund bekommen, damit sie ihre soziale Isolation überwindet und die Wohnung wieder verlässt. Mit dem vierbeinigen Begleiter an der Seite kann sie ihren Aktionsradius erheblich erweitern. Sie geht wieder allein einkaufen, hält dem Hund zuliebe ihre Wohnung sauber sowie frei von umherliegendem Müll und geht ausgedehnt spazieren. Ihr Übergewicht ist deutlich zurückgegangen, ihre Lebensqualität hat zugenommen. Frau B. hat vor der Anschaffung des Hundes einige Suizidversuche unternommen, seither blieben diese aus. Die Finanzierung der medizinischen Versorgung des mittlerweile 10-jährigen Tieres jedoch übersteigt ihre Mittel. Hat in den Vorjahren mitunter der Freie Träger der Eingliederungshilfe (Betreutes Einzelwohnen) anfallende Impfungen bezuschusst, so sind diese Möglichkeiten erschöpft - auch der Sozialhilfeträger lehnt Anträge auf Kostenübernahmen kategorisch ab. Frau B. ist kein Einzelfall. Zwar begrüßen die beteiligten Stellen (Sozialpsychiatrischer Dienst des Gesundheitsamtes, Sozialamt) die Fortschritte, die Frau B. mithilfe ihres Hundes gemacht hat, doch für die medizinische Versorgung des vierbeinigen Therapeuten kommt keine Stelle auf. Da Frau B. sich den Hund anschaffte, nachdem sie bereits erkrankt war und über Jahre Sozialhilfe bezog, kann sie die Hilfe der Tiertafel nicht in Anspruch nehmen. Fest steht, dass nach dem Tod des Hundes dafür Sorge getragen werden sollte, dass Frau B. einen neuen Gefährten erhält, um den erreichten Status Quo ihrer eigenständigen Lebensführung zu erhalten und Klinikaufenthalte auch weiterhin zu vermeiden.

Frau S. hielt über Jahre vier Zwergpapageien. Als diese erkrankten und Frau S. finanziell und psychisch nicht in der Lage war, sie untersuchen und behandeln zu lassen, hatte sie die Vögel eigenhändig getötet. Anschließend fiel sie in einen über Monate anhaltenden psychotischen Schub und ist heute - nach langem Klinikaufenthalt - nur allmählich imstande, ihre sie quälende Schuld aufzuarbeiten.

Frau D. leidet unter einer chronischen Psychose, sie ist der festen Überzeugung: sobald sie mit dem Kater aus der Wohnung geht, wird dieser mit schädlichen Strahlen vergiftet. Dies zog nach sich, dass der Kater unkastriert blieb, massive Zahnprobleme entwickelte und niemals geimpft wurde. Frau D. war mit Hilfe der psychologischen Bezugsbetreuerin dazu zu bewegen, den Kater der Tierärztin der API gGmbH anzuvertrauen, weil diese über einen "besonderen Strahlenschutz" verfüge (so konnte der Wahn der Klientin eingedämmt werden). Ihr Kater ist inzwischen kastriert - andernfalls hätte Frau D. aufgrund der erheblichen Geruchsbelästigung ihre Wohnung verloren. Auch die Zähne sind behandelt, dem Tier geht es gut; hiervon überzeugt sich die Tierärztin der API gGmbH in regelmäßigen Hausbesuchen. Diese Regelmäßigkeit kann nur in enger Zusammenarbeit mit der betreuenden Psychologin erhalten werden. Einer niedergelassenen Tierärztin wäre der Zugang zu dem Kater verwehrt geblieben.

Herr F. rührte sich kaum noch aus dem Haus, weil seine 20-jährge Katze im Sterben lag. Bedingt durch die vorliegende psychotische Symptomatik war der Klient allerdings nicht imstande zu erkennen, wann das Tier aus Tierschutzgründen hätte euthanasiert werden sollen. So zog sich der Sterbeprozess der Katze über Wochen und Monate hin, was durch eine darauf sensibilisierte Bezugsbetreuung und das Projekt Mut hätte verhindert werden können.

Frau B., Frau S., Frau D. und Herr F. stehen exemplarisch für einen Großteil der Betreuten. Viele waren wegen einer chronischen Erkrankung/ Behinderung nie auf dem ersten Arbeitsmarkt beschäftigt. Gerade diese Menschen erfahren durch Haustiere Trost und Lebensinhalt. Nicht selten ist der Zugewinn jedoch einseitig und die so nützlichen Tiere sind unzureichend versorgt oder werden aus unterschiedlichen, auf die Erkrankung der TierhalterInnen zurückführbaren Gründen nicht tiergerecht gehalten. Dieser Umstand belastet zudem die gesundheitliche Situation der KlientInnen. Das Anliegen von MuT ist, die Lebensbedingungen von Mensch und Tier zu verbessern. Für den beschriebenen Arbeitsbereich gilt im Besonderen: Tierschutz ist zugleich Menschenschutz.

MuT fördert über die direkte tierärztliche Basisversorgung hinaus den Aufbau und die Pflege eines Netzwerks, innerhalb dessen Pflegestellen für Tiere akquiriert werden können, deren Halter sich in stationärpsychiatrische Behandlung begeben müssen. Zudem sollen Kontakte zu HundetrainerInnen hergestellt werden, um die HalterInnen bei der Erziehung und dem Training ihrer häufig im Verhalten auffälligen Hunde zu schulen. Ein bereits im Vorfeld der Projektplanung bemerkbarer Nebeneffekt ist die durch MuT angeregte wachsende Aufmerksamkeit der Träger und BezugsbetreuerInnen auf die Situation der in den Haushalten lebenden Tiere. MuT wurde im Planungsstadium in der bezirklichen Steuerungsrunde vorgestellt. Dort nehmen Vertreter der Freien Träger der gemeindepsychiatrischen Versorgung teil, um über die Versorgungssituation und ggf. neue Bedarfe und Projekte zu beraten. Hier bestätigte sich durch entsprechende Rückmeldungen die Annahme, dass viele unzureichend versorgte Tiere in Haushalten psychisch Kranker leben.

Diese Tiere würden ohne MuT niemals einem Tierarzt vorgestellt und finden bislang oft erst dann Beachtung, wenn eine Herausnahme durch die Amtstierärztin unumgänglich wird - beispielsweise nach einer Zwangseinweisung der Tierhalter oder wiederholten Beschwerden von Nachbarn.